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* BESINNLICHES * von Wolf-Alexander Melhorn

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NEUE Serie Prosalyrik Mancher sagte, es sei Lyrik, andere bezeichneten es als Prosa. Daher nenne ich es Prosalyrik
Teil 10 |
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Der Bewerber
Eigentlich unnötig, sich dieses Rotgesicht noch anzutun. War es doch schon entschieden! Doch kam jetzt ohnehin sein Tee. Und etwas Neugier war ja auch dabei…
Er blieb daher noch freundlich, als er es längst bereute, sich den da aufgehalst zu haben.
Allein schon dessen zögerliche Art des Fortbewegens: den Kopf weit vorgeschoben, wie ein Huhn, das sich den Dreck durchstöbert, war seine Haltung unterwürfig, nicht nur geflissentliche Dienstbarkeit, aus der zugleich die Drohung blitzt, der Starke möge keine Schwächen zeigen!
Und diese Hände! In ständiger Entschuldigung, statt sich die Zukunft zu erfassen, derer sie doch habhaft werden wollten - und sich ihr dadurch zu empfehlen.
Zu all dem saß er auf der Kante, die Füße sicher fluchtbereit, anstatt vom Stuhl Besitz zu nehmen! Dass der noch nicht mal so was wusste! Gerade, wenn er diesen Job so nötig hatte...
So
war
er
nie gewesen!
Und was der alles preisgab, von sich selbst, in peinlichem Bemühen um die Ehrlichkeit - als ob gerade er hier Wahrheit hören wollte!
Es widerte ihn an!
Er wollte Macher sehen! Nicht welche, wie dies Rotgesicht!
Natürlich schlüpft aus einer Raupe nicht immer der erhoffte Schmetterling, doch bei Bewerbern - da wollte man noch Feuer fühlen, das einen selbst einmal durchwärmte!
Wenn diese Glut im Alltag dann erlosch, so mochten Höflichkeit und Selbsterhalt, dies klugerweise übersehen … Aber hier, bei solchem Treffen? Da musste das noch rüberkommen! Der müsste sich verkaufen, als werde er sein bester Mann! In diesem Sinne jedenfalls, - nur eben nicht so plump!
Statt dessen war der hier vertrauensselig, als brächte so was je Gewinn.
Das sollte jetzt kein Vorwurf sein! Ist doch ein jeder, wie er ist, nur darf er nicht auf Mitleid hoffen - denn das ist meist nur rücksichtslos.
Doch gut… die Hinterlist braucht auch ihr Opfer.
Nein!
Er verstand den nicht! Erklärte ihm hier sein Versagen, als spräche er nur zu sich selbst! Obwohl es doch - wie stets - um alles ging!
Und wenn der schon so war, dann hatte anderes das sichtbar auszugleichen! Nicht einfach leistungsfähig sein, wie alle seines Alters - das setzte sich voraus! Vielmehr Gewähr verheißen etwa, dass er sich allem unterwerfe. Bis in die Selbstaufgabe!
Er hatte das auch selbst gelebt! Ihm war das zeitlos festes Wertgefüge.
Sein Lächeln wurde steif und die Gedanken blieben schließlich aus, weil seine Neugier ihm entglitt.
Er hatte jetzt genug. Was ging das Rotgesicht ihn an? Auch wenn er dem jetzt -- insgeheim -- doch eine Lebenslösung hatte, mit der es dem noch werden könnte.
Verdammt! Was gäbe er darum, wie dieses Rotgesicht die Chancen nochmals auf dem Tisch zu haben!
Der aber?
Sie werden immer unten bleiben, die Rotgesichter dieser Welt! Das war für sie bereits entschieden, sobald sie aus dem Dunkel wollten.
Höchste Zeit, den los zu werden!
Und nochmals dieser schweißig-kalte Händedruck, den nur die Angst sich so erzeugt, wenn sie sich schließlich überwindet.
"Ich danke Ihnen für die Zeit und die Bereitschaft, sich um den Posten zu bewerben. Sie hören dann von uns…"
"Sie denken, dass ich..."
Es kam doch wirklich Hoffnung bei dem auf! War dem denn überhaupt nicht klar, was für ein Bild er hier geboten hatte?
Doch war das nicht mehr seine Sache! Es war nicht gut gewesen, dem so viel Zeit zu widmen. Das stieg so Menschen nur zu Kopf!
"Aber ja." gab er ihm freundlich zur Beschwichtigung und sein Wohlwollen schob ihm das Rotgesicht hinaus.
Er lehnte sich ein wenig abgespannt in seinen Sessel, verärgert über sich, weil er sich dazu hergegeben hatte.
Sein Tee kam pünktlich. Wie er das durfte erwarten durfte!
Endlich konnte er Tabletten nehmen.
Mehr sei nicht machbar, hatten Ärzte ihm gesagt. Die Angst war mit dem Schmerz geblieben.
Er aber gab nicht auf, wie etwa dieses Rotgesicht!
Er sollte sich Termine geben lassen! Bei diesem Heilpraktiker. Der wusste vielleicht doch noch was!
Entschlossen zog er sich das Telefon herüber.
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