* BESINNLICHES * von Wolf-Alexander Melhorn

NEUE Serie
Prosalyrik

Mancher sagte, es sei Lyrik, andere bezeichneten es
als Prosa.
Daher nenne ich es
Prosalyrik

Teil 2

Heilpraktiker
Wolf-Alexander Melhorn dipl.rer.pol.
Geboren am 30. 4.1941 in Berlin
Abitur in Stuttgart
Studium der Volkswirtschaft in Tübingen
Tätigkeit in der Industrie
Seit 1979 als Heilpraktiker in eigener Praxis
Verheiratet seit 1979, 7 Kinder.
Seit 1984 wohnhaft in Ellwangen/Jagst
* www.melhorn.de/Prosalyrik *


* Die Insel *

Gleichmäßig zwangen die sehnigen Arme das Boot.
Kräuseln warnte vor dem Riff.

Friedvoll erspürte sich das Weltenweit die Sonne
und das Meer atmete geruhsam.

Ihn kannte keiner mehr!
Niemand würde mit ihm reden!

Also starrte er auf diese Insel.

Die nahende Bedrohung
drängte ihm die Hoffnung aus der Wirklichkeit.

Ein Wasserschlauch,
vier Brote und sein Messer.
Ausreichend, sich seines Sterbens
einsam schwer bewusst zu werden.

Der Bootsmann warf es für ihn auf den Fels
und löste ihm die Fessel.
Grußlos stiegen sie ins Boot zurück.

Er stand allein
mit seinem Schatten.

Als sich das Boot im Wogenspiegel zu verlieren drohte,
schoss Angst in ihn,
die seiner Stimme weiten Klang verlieh.

"Nein!"

Der Schrei zerbarst ihm seinen Mut,
zerschlug ihm seine Stimme.

Und nur in Fetzen schickte er noch nach:
"Ihr könnt doch nicht ....!"

Der Bootsmann drehte sich zurück.

Endlich!
Jetzt erkannten sie ihn wieder!
Hatten ihm nur Macht beweisen wollen!

Er war bereit,
sich jedermann zu unterwerfen
und - wenn gefordert - sich tief dabei zu beugen.

Damit sie nicht noch warten müssten,
stürzte er zum Wasser,
schwamm ihnen schon mit harten, schnellen Stößen zu.
Und die Erleichterung lieh sich Kräfte,
tief aus ihm.

Um in den fliessigen Wasserbogen
sein Finden zu erleichtern,
rief er ihnen schließlich zu:
"Hier bin ich! - Hier!"

Er wollte doch sein Schiff nicht warten lassen!

Als sich die Segel in den Horizont verschoben,
verließ ihn seine Seele.

Erst eine ungekannte Angst
gemahnte ihn des Tiefezuges seiner Kleider.

Und diese Insel fiel ihm wieder ein:
Vier Brote,
ein Messer und der Wasserschlauch!

Mehr ließ sich damit aber nicht verbinden!

Er wandte sich verstandlich nach ihr um,
verlor sich darauf wieder in der Leere seines Denkens
und das Bewegen tat sich ganz von selbst.

Bis er gewahrte,
wie sich die Insel
heimlich seinem Blick entzog
- um auch kein Morgen mehr zu geben!

Als er dann endlich Grund erspürte,
war längst die Nacht schon über ihm.

In Krämpfen würgte sich Erschöpfung auf den dunklen Sand.

Doch hatte er jetzt endlich seine Insel wieder!



Kranker für Kranke bedankt sich herzlich bei Herrn Melhorn für das zur Verfügung stellen seiner Werke


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