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* BESINNLICHES * von Wolf-Alexander Melhorn
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NEUE Serie Prosalyrik
Mancher sagte, es sei Lyrik, andere bezeichneten es als Prosa. Daher nenne ich es Prosalyrik
Teil 3 |

"Das Abteil"
Sie sagten wenig, ihr Bewegen alles - das wusste, Ängste zu verteilen.
"Dass die noch Uniformen tragen..."
fuhr es ihm hilfehoffend durch den Kopf.
"Glaubst wohl, Du hast besond're Klasse... Was?"
Der ihn das fragte, hatte Neugier in den Augen.
Der trat ihn später auch zusammen.
Bis er sich erbrach.
Sie rieben sein Gesicht hinein und schrieen ihm die Angst tief in die Seele.
Einer zeigte ihm den Bock, auf den sie ihn noch spannen würden. "Die Scheiße kommt alleine aus dem Arsch..." ließ er - in Kennerschaft - heraus.
Das Wissen um die Prügel, hatte er da schon.
Die andern Augen zogen sich im Spott darauf zusammen: "Gilt nicht als fein, bei Deinesgleichen."
"ABFÜHREN!"
Das Wort erlöste, gab ihn frei.
Er weinte zuckend, ohne Nass. Als er dafür geknüppelt wurde, biss er so tief in seine taube Lippe, bis ihn das schließlich ruhig stellte.
Ein Schlüssel platzte in ein Schloß, metallen klackte eine Türe.
Der Stoß ins Dunkel!
Riegel zogen sich zurück.
Vier Hände griffen ihn sich ab, befreiten ihn zuletzt von seiner Jacke. "Paß doch mal auf ...!"
zerknurrte einer. Jemand gab dem scharf zurück
- doch er verstand nichts mehr davon.
Erwachend regte er - behutsam - seine Arme,
doch litt der Körper die Bewegung nicht
- erbarmte sich erst seiner Tränen.
"Das machen die mit jedem." brummte es ihm tröstend zu.
"Politisch ....?"
Er nickte nur. Das Dunkel trug ihm die Bewegung zu dem Frager.
"Na, endlich mal was Besseres, hier im Abteil... Gewöhnlich fährt hier letzte Klasse." kicherte es schrill heran.
" Ihr seid die Schlimmsten... " drauf der Erste wieder und Bitterkeit trieb diese Worte aus.
Der andere, zufrieden: " Scheiß' drauf! - Jetzt eben mal gemischte Klasse... -- sozusagen!" und lachte sich darüber aus.
Dann lähmte Schweigen alles nieder. Bis ihm der Raum - im Gleichtakt - in den Schläfen pochte.
"Wann hat das denn ein Ende?"
Die Antwort sollte seine Ängste lockern, die schmerzhaft seine Brust durchwühlten und drückend auf der Atmung lagen.
" Erst bist du morgen noch mal dran..." gab ihm der Eine kalt zurück, belehrte aber dann versöhnlich weiter: " Mach' nicht den Helden! - Die schinden nicht nur aus Vergnügen..."
Der Andre sprang sofort dazu: "Ganz recht! - Mehr eine Pflicht...!" Und trumpfte mit dem Wissen auf: "Der Spaß sagt denen, wie sie quälen, doch ihre Pflicht ist zu befragen!"
Darauf der Erste, mehr für sich und die Verzweiflung fand sich hörbar keinen Halt in ihm: "So welche sind in jedem Fach die Besten..."
"Ich weiß doch aber nichts...!" jammerte es jäh aus ihm heraus.
"Halt doch das Maul! - Das tun die meisten nicht! " fuhr da der Eine heftig hoch und die Verachtung spie ihm aus: "Du bist politisch! Reicht das nicht?"
Und kichernd fügte dem der Andere hinzu: "Die stutzen Dich auf uns're Größe, Mann! - Zuletzt steh'n aber alle vor der gleichen Wand."
Und irgendwann gab er - mit Spott die eig'ne Angst bedrängend - noch hinzu: "Um Größen anzugleichen, Mann! - Nicht eine Länge."
Erschießen?!
Ein Bersten wohl, ganz tief in ihm... Erstaunen, dass es schon vorüber sei... Und ehe ihn der Schmerz besitzergreifen könne, würde er sich schon verlassen haben - durch jenen Tunnel in das Licht.
Den Tunnel galt es zu erreichen!
In Hoffnung dämmerte er diesem Ziel entgegen, verdrängte so den nächsten Tag.
Kranker für Kranke bedankt sich herzlich bei Herrn Melhorn für das zur Verfügung stellen seiner Werke  |

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