Hallo Niklas,
Generell wird zwischen zwei Formen von „Zuckerkrankheit“ unterschieden: Diabetes mellitus Typ I und Typ II. Wenn Kinder und Jugendliche erkranken, wird oft der Typ I diagnostiziert: Die Bauchspeicheldrüse bildet das Hormon Insulin nicht – es muss dem Organismus über Insulinspritzen oder über eine kleine Pumpe künstlich zugeführt werden. Was die Krankheit auslöst, ist unklar. Auf jeden Fall ist die Diagnose für die Betroffenen und für die Eltern ein Lebenseinschnitt.
Bei Diabetes Typ II reagieren die Zellen des Körpers nicht mehr auf das Hormon. Eine Wohlstandserkrankung, die immer mehr Kinder trifft. Hauptursachen: zu wenig Bewegung und ungesundes Essen. Dadurch gerät der Stoffwechsel aus dem Ruder. Bei Diabetes Typ II können Gewichtsreduktion und sportliche Aktivitäten den Zustand verbessern – beim Typ I gibt es keine Heilung.
Erste Anzeichen
Am Anfang hat das Kind sehr großen Durst, es will ständig trinken und muss entsprechend häufig Wasserlassen. Kleine Kinder haben permanent nasse Windeln oder nässen sich nachts ein. Außerdem wird oft über große Müdigkeit und Abgespanntheit geklagt. Weiteres Symptom: Gewichtsverlust. Deshalb sollte man bei den ersten Anzeichen den Kinderarzt aufsuchen. Eine Diagnose ist mittels einer Probe Urin möglich. Bei manchen Kindern wird Diabetes zufällig über eine Routineuntersuchung entdeckt, ohne dass vorher irgendwelche Symptome erkennbar waren.
Was können Eltern tun?
Es gibt immer mehr Diabeteszentren, die häufig an Kinderkliniken angeschlossen sind. Hier gibt es sehr gute Beratungsmöglichkeiten. Ärzte, Ernährungsberater und Psychologen arbeiten dort Hand in Hand. Regelmäßig werden Schulungen durchgeführt, denn der Umgang mit der Krankheit fordert alle Familienmitglieder. Sowohl was die Praxis angeht (Zuckerspiegel im Blut messen, Insulinspritzen setzen) als aber auch den Umgang mit der Krankheit.
Viele Eltern neigen anfangs zur Überbehütung ihres Kindes und können ihm so nicht die Selbstverantwortung vermitteln, die mittelfristig nötig ist, damit das Kind mit dem Diabetes umzugehen lernt. Die Mitarbeiter der Diabeteszentren sind für alle Fragen offen und kennen die Ängste von Eltern. Mittlerweile gibt es auch Freizeiten für Diabetikerkinder, bei denen dann immer ein Arzt dabei ist.
Nach dem ersten Schock
Viele Eltern sind am Anfang einfach nur geschockt und traurig, das gerade ihr Kind in so frühen Jahren erkrankt. Sie müssen lernen, damit zu leben. Diabetes ist nicht heilbar. Ein Leben lang muss dem Körper Insulin zugeführt werden. Für die meisten Betroffenen bedeutet das: drei- bis viermal am Tag spritzen und auf ausgewogene und regelmäßige Ernährung achten. Das ist eine große Herausforderung, aber wenn sich jeder in der Familie darauf einlässt, wird der Umgang mit Diabetes zur Routine. Die gute Nachricht: Die Krankheit ist nicht tödlich – zumindest nicht, wenn verantwortlich damit umgegangen wird.
Das Kind sollte so normal wie möglich ins tägliche Leben integriert sein und so früh wie möglich selbst Verantwortung für seine Krankheit übernehmen. Diabetesschulungen informieren über Ernährung und Sport. Notwendig sind regelmäßige Kontrollen der Körpermaße, des Blutes und der Bauchorgane per Ultraschall. Die enge Zusammenarbeit mit einem Spezialisten – möglichst aus einem Diabeteszentrum – ist dringend zu empfehlen. Auch gibt es viele Selbsthilfegruppen für Eltern und Kinder.
Unmittelbar nach der Diagnose muss das Kind ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, damit es auf die passende Insulindosis „eingestellt“ werden kann.
Der Alltag
Morgens ist die erste Messung des Blutzuckerspiegels fällig, um zu kontrollieren, ob der Blutzucker über Nacht drastisch gesunken ist. Vor dem Frühstück wird dann die erste Spritze gesetzt und entsprechend der gespritzten Broteinheiten gegessen. Vor jedem Essen werden die Kohlenhydrate möglichst präzise geschätzt, um festzustellen, wie viele Broteinheiten mit dem Frühstück zugeführt werden.
Je nach Bedarf wird dann noch weitere Male am Tag der Blutzucker gemessen – und fünf- bis sechsmal Insulin gespritzt. Traubenzucker müssen Diabetiker immer bei sich haben, weil ein niedriger Blutzucker damit sehr schnell wieder in die Höhe gebracht werden kann und eine lebensgefährliche Unterzuckerung so verhindert wird.
liebe Grüße Moonlight
__________________ I am what I am
|